Was ist Hochsensibilität?

Ganz besonders hervorheben möchte ich, dass Hochsensibilität keine Krankheit, keine psychische Störung ist, oder gar hirnorganische Ursachen hat. Hochsensibilität kann erklärt werden mit einem sehr ausgeprägten und verfeinerten ganzheitlichen Wahrnehmungsvermögen durch die fünf Sinne (sehen, hören, riechen, schmecken, tasten), so zusagen einem Überwältigt-Sein von allen äußeren Einflüssen. Alles wird sehr viel intensiver erlebt: Liebe, Schmerz, Geräusche, Traurigkeit, Menschenansammlungen, raue Materialen auf der Haut, Anforderungen oder Drücke von außen, Konkurrenzsituationen, Stress- und Prüfungssituationen, Arbeitsanforderungen seitens Dritter, usw. Dadurch kommt es zu einer Reizüberflutung und damit einem Gefühl der Überforderung, einem „das schaffe ich ja doch nicht“, „das wird mir alles zu viel“. Menschen mit dieser Persönlichkeitsvariante fühlen sich „so anders als die anderen“ und dem Leben oft nicht gewachsen. Das nagt am Selbstwert („wenn die anderen es schaffen und ich nicht, kann es doch nur an mir liegen“), was nicht selten Resignation und Mutlosigkeit nach sich zieht. In all diesem Sich-Anders-Fühlen wird leicht übersehen, dass Hochsensibilität letztendlich auch ein Geschenk ist. Durch die intensivere Schwingungsfähigkeit bringen diese Menschen sehr viel Kreativität und künstlerische Fähigkeiten mit, haben ein tieferes Einfühlungsvermögen in andere Menschen oder Situationen, fühlen sich tief berührt durch Natur, Musik, Malerei oder Literatur, oder sie erkennen gar ungute oder gefährliche Situationen schneller als andere.

Doch der Umgang mit der eigenen Hochsensibilität, aber auch mit der von Familienangehörigen, Freunden, Mitarbeitern oder auch Schülern muss „gelernt“ werden – und das kann oft ein schwerer, langer Weg sein, da möchte ich hier nichts beschönigen. Doch es wird ein lohnender Weg sein, an dessen Ziel man dankbar erkennen wird, wie reich man selbst oder durch ein solches Kind beschenkt worden ist.

Was können hochsensible Menschen besonders gut im Vergleich zu anderen?

Durch die große Weite und Tiefe des inneren Erlebens, durch ihre intuitive Intelligenz tragen hochsensible Menschen einen ungeheuren Schatz in sich, der nicht allein auf naturwissenschaftlichem Wissen basiert:

  • Sie können sehr gründlich arbeiten
  • Sie haben ein hohes inneres Wertesystem, das meist nicht in Übereinstimmung steht mit den Werten einer Leistungsgesellschaft
  • Sie haben einen hohen, perfektionistischen Leistungsanspruch an sich selbst, der aber auch Druck und Stress erzeugen kann
  • Komplexer Zusammenhänge können intuitiv erfasst werden
  • Sie haben ein hohes Verarbeitungspotenzial von Themen, die eine sinnliche Wahrnehmung und Phantasie erfordern wie z. B. Musik, Literatur, auch Biologie oder Physik, auch Religion
  • Sie können „mit dem Herzen denken“ (Saint-Exupéry)
  • Sie können sich gut allein beschäftigen
  • Sie haben ein hohes Maß an Ausdauer und Hingabe
  • Sie können gut knifflige Dinge oder Rätsel lösen
  • Sie nehmen ihre Umwelt sinnlich und damit umfassend wahr
  • Sie sind komplexe Denker und stellen oft schon in frühen Jahren sehr anspruchsvolle Fragen nach dem Sinn des Lebens, Leben und Tod oder der eigenen Lebensaufgabe

Auszug aus meinem Co-Beitrag zum Thema „Hochsensibilität und Ängste“. Weiteres hierzu in meinem Blog-Beitrag